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Warum und wofür Psychotherapie

Das Wesentliche in der Psychotherapie ist der geschützte Raum, in dem man eine konzentrierte Zeit hat, zusammen mit der wohlwollenden Aufmerksamkeit des Therapeuten sich sich selbst und den eigenen Problemen, Fragen und Anliegen zu widmen. Vielleicht weil man nicht mehr weiter weiß, sich festgefahren fühlt, immer wieder in denselben Sackgassen landet, sich entfremdet fühlt vom Leben, an einem Wendepunkt steht, überwältigt ist von Problemen, voller Angst, einsam oder ähnliches.

Neben der Aufarbeitung meistens frühkindlich geprägter Lebens- und Verhaltensmuster ist in der Psychotherapie die Förderung und praktisch-sinnlich Unterstützung für den Erwachsenen wichtig und seine emotionale Reifung. Wir haben oft sehr angestrengte Vorstellungen von dem, was Erwachsensein bedeutet in uns und nutzen meist nicht die Möglichkeiten und Freiheiten unseres erwachsenen Potentials an Handlungs-und Gestaltungsmöglichkeiten.

Im Kern hängt unsere Lebensqualität davon ab, egal wie angenehm oder schwierig die aktuelle Lebenssituation ist, wie wir im Innersten zu uns stehen: freundlich, urteilend, feindselig, kalt, streng, zärtlich, wohlwollend. Freundschaft mit sich selbst zu schließen, in egal welchen Umständen wir leben, ist eines der schwersten und doch essentiellsten Dinge.

Auf dieser Basis erst können Beziehungen zu anderen Menschen freier, gelassener und näher werden. In Verquickungen und Abhängigkeiten ist weder wirkliche Nähe noch klarer Abstand möglich. Kontakte mit anderen Menschen sind für die meisten von uns lebenswichtig und doch oft auch Quelle von Enttäuschungen und Verletzungen, ob in unserer Vergangenheit oder im heutigen Leben.

Je älter wir werden um so mehr verdichten sich Schichten und Geschichten von Verletzungen und Enttäuschungen in uns und an uns und allzu leicht lassen wir unser Leben und unsere Reaktionen auf andere hiervon bestimmen. In der Psychotherapie geht es einerseits darum alte Verletzungen und ihre Spuren und Folgen in uns zu verstehen aber auch neue geschicktere und weisere Wege zu finden mit unter Menschen unvermeidlichen Enttäuschungen und Missverständnissen umzugehen und unsere Lebendigkeit und Mitmenschlichkeit uns dadurch nicht nehmen zu lassen.